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Das Interview ist erschienen in der    "Zeitschrift der Hochschule für Musik und Theater – Felix Mendelssohn Bartholdy – Leipzig"                           Was macht eigentlich … Mathias Marschner? Der Leipziger Mathias Marschner studierte an der HMT in der damaligen „TUM“-Abteilung (Tanz- und Unterhaltungsmusik). Heute ist er ein vielseitig tätiger Musiker und Entertainer. Seine Auftrittsorte sind vielfältig: „Schmidts Theater“ an der Reeperbahn, Lied-Openair im Olympiapark München, eine Frauenklinik in Hamburg, ein Leipziger Gefängnis, die Hauptbahnhof-Promenaden bei ihrer Eröffnung, EXPO 2000, Rathauskonzerte in Quedlinburg oder die Straßenkreuzung vor seinem Haus in der Südvorstadt … Mathias Marschners Programme sind scharfzüngig bis skurril und helfen sowohl gegen Langeweile als auch gegen Alltagsstress. In einem Interview plauderte der Künstler über sich – mit Blick auf damals und heute.  
ENTERTAINMENT
Mathias Marschner
Du hast an der HMT studiert. Welche Erinnerungen hast Du daran und auch an die Zeit davor?  Ich bin nicht zwischen brennenden Mülltonnen aufgewachsen sondern im Erzgebirge. Zuerst lernte ich ab meinem 6. Lebensjahr Klavier. Bei Kantor Paul Weißbach nahm ich Orgelstunden. Dann hatte ich Klarinetten- und Saxophon-Unterricht am Theater Chemnitz bei Rudi Sonntag. Eigentlich wollte ich ja Geologe werden wegen der Knochenausgrabungen. Medizinisch bin ich nämlich sehr interessiert. Doch dann ging ich an die Leipziger Musikhochschule zu den Professoren Conny Odd und Gerhard Erber und studierte Klavier, Schlagzeug und Komposition. Daran habe ich eigentlich nur gute Erinnerungen. Solange man politisch nicht aneckte, hatte man in musikalischer Hinsicht ein relativ offenes Leben. Musiker sind eben überall auf der Welt Musiker … Und wie ging es danach weiter? Danach machte ich Rockmusik, schrieb für den Harth-Musikverlag Arrangements, begleitete und komponierte für alle Leipziger Kabaretts. Schon während der Studienzeit spielte ich jazzige Klassikadaptionen auf dem Vibraphon und begann rockig-poppige Weihnachtsmärchen für Kinder und Jugendliche zu komponieren – gefördert und angeregt von der Kulturstiftung Leipzig. Zu meinen Schülern zählen Michael Metzler (Percussion), Franziska Petri (Schauspielerin „Vergiss Amerika“), Nadja Petri (Schauspielerin „Mädchen Mädchen 2“) oder „Sachsendiva“ Katrin Troendle. Und dann ist auf Grund meiner vielen Erlebnisse ein eigenes Liederprogramm entstanden. Ich sehe mich nicht unbedingt als schrägen Typen, aber mir passieren oft schräge Sachen, die dann sehr gut passen … … zum Beispiel? Ich begleitete mal im Leipziger „Club der Intelligenz“ ein Kabarett am Flügel – ohne Probe vorher. Ich musste nach Noten und irgendwelchen Hinweisen spielen. Und da stand plötzlich auf dem Notenblatt: “Bei diesem Satz Deckel zuschmeißen, wieder aufmachen, weiterspielen.“ Da hab' ich also den Deckel zugeschmissen – bloß der ging nicht wieder auf. War verklemmt … Oder ich habe mal lebensgefährlich unter 220 Volt mit einem Mikrofonständer am Vibraphon geklebt. Und bei einem Hamburger Konzert rollte mir der Flügel weg. Ich musste trotzdem weiterspielen, meine Arme wurden immer länger, aber für den Schlussakkord reichte es noch. Die Leute waren begeistert und dachten, das sei einstudiert. Wie würdest Du Deine Kompositionen beschreiben und wie viele Lieder hast Du überhaupt gemacht?  Vielleicht 300, wenn ich die ganzen Arrangements oder die Weihnachtsmärchen-Musicals für mein Kindertheater nicht mitrechne. Dafür macht übrigens Antonia Schneider von der Musikalischen Komödie, auch eine ehemalige HMT-Studentin, immer die Choreografie. Dabei liebe ich meine lyrischen Sachen genauso wie die schrägen Songs. Gershwin habe ich immer gemocht. Und durch die Swingmusik, die ich mit meinem Vater in einer Band spielte, bin ich schon als Kind an diesen Stil herangeführt worden. Meine Liebe zur Improvisation weckte übrigens ein Pianist, der Schmidt hieß und ein Schmied mit schrecklich dicken Fingern war. Durch Vibraphonunterricht bei Fips Fleischer kamen in meine Klaviertechnik aber auch Zweifinger-Schlagvarianten rein. Ja, und Kritiker schrieben, ich hätte das große Herz von Hermann van Veen, das Derbe von Konstantin Wecker und das Charmante von Udo Jürgens. Dass mich eine Münchener Zeitung auch mit Ute Lemper verglich, konnte ich jedoch nicht so richtig verstehen. Wann fallen Dir denn Deine Kompositionen ein?  Das kann überall passieren – durch Zeitung, Geräusche, Musik, Menschen … Ich mische gern Dinge zusammen: Da sagt ein Nachrichtensprecher einen blöden Satz, derweil sitzt eine Mücke an der Scheibe und meine Suppe kocht über. Das könnte durchaus der Auslöser für eine gewaltige Idee werden. Für mein Lied „Privatpilot“ beispielsweise waren Anregungen die Flugschule Sylt, Bananensamenfadensuppe und ein blondes Girl namens „Hey, Jude“. Du hast schon am gläsernen Flügel gespielt, auf dem Porsche-Flügel von Luigi Colani und auch im Frauengefängnis. Gibt es spezielle Vorlieben und Orte, an denen man Dich erleben sollte?    Dass spontan die Gefangene, schöne, schwarzhaarige Jana aus Prag mit mir vierhändig Klavier spielte, hätte ich in meinen kühnsten nächtlichen Träumen nicht gedacht. Mein Leben ist sehr bunt und vitaminreich. Alle Texte tragen autobiographische Züge und sind keine verknöcherten Schreibtischverse. Ein altes Gemäuer kann genauso anheimelnd sein wie das Gohliser Schlößchen. Und Flirthormone (C6H5 CHN H2CH3) fliegen bei mir garantiert nicht nur aus den Tasten … Na, dann, frohes und erfolgreiches Schaffen weiterhin Interview: Dr. Katrin Seidel 
Frauengefängnis Hoheneck
Weihnachtskonzert 2000
1. Gefängniskonzert  in Leipzig
2. Konzert im Frauenzuchthaus
Mathias &  Freunde
sexy...kuschelig und sehr eigen
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